"Zensur findet nicht statt." - Grundgesetz Artikel 5, Abs. 1
Stellt Euch vor, in Eurem Wohnort gäbe es ein Haus, in dem sehr schlimme Dinge passieren. Für jeden Menschen könnten solche "schlimmen Dinge" sicherlich anders aussehen, deshalb verzichte ich an an dieser Stelle lieber auf eine ausführliche Schilderung derselben. Aber es sind seeehr schlimme Dinge.
Stellt Euch nun weiter vor, daß zu diesem Haus mit den schlimmen Dingen mehrere Straßen führen. Sagen wir mal, das wären so drei oder vier Straßen, über die man aus diversen Richtungen zu diesem Haus gelangen kann. Sowas dürfte wohl normal sein und das kann sich vermutlich auch jeder vorstellen.
Wenn nun irgendwer auf die Idee käme, man müsste alle Menschen schützen, indem man eine
dieser Straßen mit einem Stopschild markiert und jedem erzählt, er dürfe hier nicht durchfahren, was würde ein Mensch machen, der dennoch zu diesem Haus möchte (oder zumindest daran vorbeifahren mag)? - Richtig, er würde schlicht und einfach eine der anderen drei bis vier Straßen benutzen (notfalls einen kleinen staubigen Feldweg) und damit wäre für ihn das kleine Problemchen mit der Durchgangssperre erledigt. Daß gleichzeitig neben der gesperrten Straße im Gebüsch ein quasi unsichtbarer Beobachter sitzt, der jede Autonummer schnell auf eine geheime Liste für vermutlich böse Menschen setzt, das sagt den Autofahrern natürlich niemand. Auch nicht, daß diese Liste vorsichtshalber viele Jahre aufbewahrt und an jede nur denkbare Stelle im Lande verteilt wird. Man weiß ja nicht, was der vermutlich böswillige Autofahrer in Zukunft noch Böses vorhaben könnte.
Die Frage, die sich nun wohl jeder vernünftig denkende Mensch stellt, ist doch wohl die: weshalb sperrt man nur eine Straße zu diesem Haus, wenn man doch einfach das Haus selbst sperren, räumen oder abreißen könnte?
Eine gute und berechtigte Frage!
Hier liegt (für mich) die Vermutung nahe, daß es im Grunde gar nicht um das böse Haus und die schlimmen Dinge darin geht, sondern nur um die lückenlose Erfassung möglichst vieler Autofahrer, die sich (egal ob absichtlich oder zufällig) auf der überwachten Straße befinden.
Und wenn man dann weiß, wie das mit dem Überwachen und Aufschreiben funktioniert und sich die Bevölkerung an diese Überwachung ("zum Wohle der allgemeinen Sicherheit") gewöhnt hat, dann kann man das auch ganz einfach noch ein bisschen ausdehnen:
Wer besucht wann und wen?
Wer redet was über wen?
Wann geht wer wo einkaufen?
Wie oft geht wer zur Bank?
Wer bringt wann den Müll raus?
etc...
Ist das alles Fantasie? Utopie? Ein Ergebnis meines verwirrten Geistes? Ein Produkt meiner Wahnvorstellungen? - Leider nein!
- Das BKA will alleine ohne Überwachungsorgan täglich neu bestimmen, welche Häuser böse sind.
- Die Provider wollen/sollen die Überwachung und das Aufschreiben für das BKA übernehmen.
- Die Häuser mit den schlimmen Dingen werden weiterhin nicht geschlossen, obwohl das sicherlich leichter wäre, als die Wege dorthin zu überwachen.
- Alle Wege zu den Häusern können nicht gesperrt oder überwacht werden.
Was passiert, wenn das BKA plötzlich bestimmen würde, daß Dein Haus ein schlimmes Haus wäre?
Grundgesetz Artikel 5, Absatz 1
"Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."
Und was soll ich dann meinen Enkeln erzählen, wenn sie mich fragen, wann das mit der Überwachung angefangen hat und warum wir nichts dagegen getan haben
18.04.2009 · spät nachts · Kopfschüttel
2 Kommentare
Ulf schrieb am 18.04.2009 um 07:23 Uhr:
Goethe lobte die Zensur, da sie die Opposition zwinge, geistreich zu sein.
Doch damals gab es noch kein Internet, und keinen Schäuble auch nicht.

Mike schrieb am 25.05.2010 um 17:02 Uhr:
Es ist nicht redlich, den Artikel 5 GG unvollständig zu zitieren. Liest man den 2. Abschnitt, so sieht die ganze Sache schon ganz anders aus. Dort steht nämlich, dass es gesetzlich verboten ist, zu diesem haus zu fahren, und dass der Weg zu diesem haus eben nicht jedem offen steht.
Zensur ist ein großes Wort, leider wird es hierzulande zu oft benutzt, um irgendwelchen abstrusen politischen Ideen ein populistisches Schlagwort zu verpassen.
Ich habe so was schon oft unter ähnliche Postings geschrieben - es wurde allerdings regelmäßig gelöscht. Auch das ist keine Zensur, sondern einfach nur schlechter politischer Stil.
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