Die Sache mit diesem flattr-Ding
Soso, da gibt es also wieder so ein neues Ding mit Namen flattr.
Im Prinzip steckt eine gute Idee dahinter, wie ich finde. Das System erlaubt es, Kleinstbeträge an Artikel und Webseiten zu verteilen, die es der eigenen Meinung nach besonders verdient haben (vermutlich ist sowas wirklich Micropayment). Und das in der Geldsumme nicht nach oben offen, sondern schön nach den eigenen Möglichkeiten und Wünschen pro Monat gedeckelt.
Man kann also z.B. sagen, man möchte großzügig wie man nunmal ist 2 Euro pro Monat unter's Volk streuen und stellt dies so ein. Diese 2 Euro werden nun am Ende jedes Monats unter den Seiten aufgeteilt, die Du im Laufe dieses Monats erwählt hast. 20 flattr-Klicks pro Monat auf fremden Seiten gemacht und die 2 Euro werden, nachdem 10% für den flattr-Dienst abgezogen wurden, schön durch 20 geteilt und irgendwann, so Gott will, ausbezahlt. Die Auszahlungsgrenze liegt IIRC bei 10 Euro. Das könnte evtl. eine Weile dauern...
Wie gesagt, die Idee dahinter finde ich sehr gut und lobenswert (übrigens meine flattr-Empfehlung: jawl). Alleine mir fehlt der Glaube an die langfristige Funktionsfähigkeit dieses Systems. Sicherlich werden die Early-Adopter ein paar Kröten scheffeln können. Schließlich ist es neu und interessant und irgendwen muss man ja flattrn. Die Startguthaben werden verbraucht. Entwertet.
Aber wer wird das Geld bekommen? Sind das die armen kleinen Webmaster und Seitenbetreiber, die sicherlich sehr oft und sehr viel Zeit und Energie in ihre Seiten und Artikel stecken? Die sehr oft sehr gute Artikel und lange gut recherchierte Beiträge schreiben? Ich denke nicht.
Die "Gewinner" dieses Systems dürften, so sehe ich das heute, die größeren Seiten sein. Seiten die von der Masse an Besuchern leben. Nicht von Stammlesern, die den Autor und Webseitenbetreiber schätzen und deshalb regelmäßig vorbeischauen.
Und warum genau glaube ich nicht, daß es langfristig gutgehen wird?
Für jeden Euro, den man investiert, werden 90 Cent ausgeschüttet. Von irgendwas muss der Betreiber ja leben. Keine Frage. Aber reicht das? Ich glaube nicht, denn von den ausgeschütteten 90% werden viele Prozente an die eh schon Großen gehen. An Verlage, an sogenannte A-Blogger, an selbsternannte Web-Gurus, an die besonders Wichtigen. Und der Rest ist für's gemeine Volk. Ob dies dann genug Motivation für diese sein wird?
Nach dem anfänglichen Hype und ein paar wenigen Erfolgsgeschichten wird der Alltag einkehren und die Leute werden flattr-müde. Irgendwann lässt die Klickfreude der Flattrer nach und so nach und nach werden die flattr-Accounts stillgelegt, weil das anfänglich einbezahlte Guthaben verbraucht sein wird und als Lehrgeld abgeschrieben wurde. Und dann werden die flattr-Buttons ebenso schnell und leise wieder verschwinden, wie diese "tollen" yigg-, Facebook- oder Mr.Wong-Buttons.
Ich sagte ja schon, mir fehlt der Glaube an dieses System!
29.05.2010 · spät nachts · Webzeug
2 Kommentare
Johannes schrieb am 29.05.2010 um 08:32 Uhr:
Guter Text, wollte ich gerade "flattern".
Habe mir ja vor kurzer Zeit auch einen Flattr-Account geben lassen, ihn aber bis heute nicht eingesetzt. Ich habe ähnliche Bedenken wie du, nämlich dass ich da Monat für Monat mit einem Minus hinauslaufe (ich schreibe ja kaum was flatterhaftes) und mein Geld nur denen hinterherwerfe, die es eh schon haben (A-Blogs und dergleichen).
Andererseits juckt es in meinen Early-Adopter-Fingern schon ein wenig...

Mawin schrieb am 10.06.2010 um 03:33 Uhr:
Ich persönlich nutze Flattr nicht um Geld damit zu verdienen. Es ist nur ein netter nebeneffekt. Da ich mit Retweet-Buttons und Yigg-Buttons keinen Glück habe nutze ich nun Flattr um auf meine Texte aufmerksam zu machen.
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